Astro-Zeiger zusammenbauen
Das Ziffernblatt und das der jeweiligen Montierung entsprechende Zeigerblatt wird zunächst ausgedruckt. Am Besten auf einen etwas stärkeren Karton, das Zeigerblatt kann auch auf Overheadfolie gedruckt werden. Beide Blätter werden nun in der Mitte gelocht und zum Beispiel mit einer Musterbeutelklammer drehbar verbunden.
Was wird noch gebraucht?
Für die praktische Beobachtung wird nun neben dem Teleskop und dem Astrozeiger noch eine Sternzeituhr benötigt. Das muß aber keine "echte" und teure Sternzeituhr sein. Es reicht auch eine auf Sternzeit eingestellte Digitaluhr. Am Besten baut man sich aus dem Astrozeiger und einem entsprechenden Uhrwerk eine eigene Sternzeituhr. Näheres hierzu unter "Sternzeituhr selbst gebaut".
Die Sternzeit bekommt man zum Beispiel mit einem Sternkartenprogramm wie Skymap. Wenn an einem Tag zum Beispiel zwischen 20.00 Uhr und 22.00 Uhr beobachtet werden soll, druckt man die Karte für 21.00 Uhr. Dann hat man einen Mittelwert.
Eine weitere Möglichkeit um an die Sternzeit zu kommen, ist die Verwendung des voll funktionsfähigen Sharewareprogrammes Astronomy Clock. Da es frei vetrieben werden darf, biete ich es hier zum kostenlosen Download an.
Noch eine Möglichkeit sind die Sternzeittabellen astronomischer Jahrbücher. Hier ist aber zu berücksichtigen, daß diese Tabellen für einen bestimmten Breitengrad gelten. Zum Breitengrad des Beobachtungsortes muß eine entsprechende Korrektur vorgenommen werden!
Teleskop "einnorden"
Nach dem Aufbau des Teleskops muß die Montierung ja noch nach Norden ausgerichtet werden. Bei Newton-Teleskopen mit großem Öffnungsverhältnis reicht die Nordung mit dem Polsucher vollkommen aus. Genauer gehts natürlich mit der Scheiner-Methode oder der daraus resultierenden Teilkreismethode.Die Scheiner-Methode:
- Das Stativ mit einer Dosenlibelle in die Waagerechte ausrichten. (wichtig für spätere Teilkreis-Methode!)
- Die Teleskopmontierung grob nach Norden vorjustieren.
- Südlichen, äquatornahen Stern mit Fadenkreuzokular anvisieren. Fadenkreuz dabei so drehen, das der Stern bei Nachführung in RA auf waagerechtem Faden läuft.
- Deklinationsachse feststellen
- Nach 10 Minuten in RA nachführen bis der Stern wieder sichtbar ist. Schauen, ob der Stern vom Faden weggewandert ist. Ist er südlich vom Faden, dann die RA-Achse nach Westen verstellen. Ist er hingegen nördlich vom Faden, die RA-Achse nach Osten verstellen.
- So lange wiederholen, bis der Stern nicht mehr vom Faden abweicht. Die Montierung ist nach Norden gerichtet.
- Stern im (Nord-)Osten auf senkrechten Faden bringen.
- Nach 10 Minuten in RA nachführen, bis der Stern wieder sichtbar ist. Schauen, ob der Stern seitlich vom Faden abgewichen ist. Durch Verändern der Polhöhe der Montierung ggf. wieder auf den Faden bringen und wiederholen.
- Der letzte Vorgang kann mit einem Stern im Westen wiederholt werden.
"Süden" ist beim Blick ins Okular übrigens ein relativer Begriff, abhängig davon ob man einen Refraktor oder einen Reflektor, ggf. sogar ein Umlenk- oder Amici-Prisma benutzt. Am besten, man stellt sich einen Stern ein und dreht das Teleskop mit der DEC-Nachführung so, daß es abwärts zum Erdboden schwenkt. Die dabei beobachtet Bewegung des Objekte im Okular geht dann eben in Südrichtung.
Die Scheiner-Methode ist also eigentlich recht einfach, aber eben sehr Zeitaufwendig. Daher lohnt sie sich meiner Meinung nach nur für die Nachführung beim Fotografieren oder bei dauernd aufgestellten Teleskopen. Wenn man sie aber einmal durchgeführt und die Teilkreise geeicht hat (s.u.), funktioniert aber auch problemlos die viel einfachere Teilkreismethode.
Teilkreis-Methode:
Sie eignet sich hervorragend für Beobachter, die den Polstern nicht sehen können (z. B. auf Südbalkonen), sich keinen teuren Polsucher kaufen möchten oder für die Scheiner-Methode keine Zeit haben. Unter der Bedingung, daß die Teilkreise wenigstens einmal nach Scheiner geeicht wurden und das Stativ dabei waagerecht ausgerichtet war, funktioniert das so:
- Stativ beim Aufbau wieder waagerecht ausrichten
- Teleskop auf Teilkreiswerte (RA und DEC) eines sichtbaren Objektes einstellen, auch dann, wenn das Teleskop woanders hin zeigt!
- Montierung inclusive Teleskop in Azimuth nach links oder rechts drehen, bis das Objekt im Okular sichtbar ist.
Teilkreise "eichen"
Die Teilkreise müssen natürlich noch nach einer für den neuen Beobachtungsplatz ersten Einnordung an das reale Koordinatensystem angepasst, "geeicht" werden. Das ist aber auch nur ein ganz simpler Vorgang:- Einen bekannten Stern anvisieren
- DEC-Teilkreis lösen, auf DEC-Wert des Sterns verdrehen und wieder feststellen
- RA-Teilkreis verdrehen, bis der zu diesem Zeitpunkt gültige Teilkreiswert angezeigt wird. Diesen Teilkreiswert liefert eben der Astro-Zeiger (s. u.)
Achtung bei der TAL-Montierung: Es gibt zwei Zeiger! Es wird immer am oberen Zeiger abgelesen.
Ab jetzt kann problemlos und ohne jeden Aufwand das gewünschte Objekt nach Teilkreiswerten eingestellt werden.
Objekte einstellen
Um ein Objekt am Telskop einzustellen, wird der Zeiger des jeweiligen Teilkreis-Blattes (Montierungstyp beachten!) auf die entsprechende Sternzeit (RA- bzw. Sternzeit-Skala des Grund-Blattes) eingestellt. Beide Blätter dürfen sich jetzt nicht mehr verdrehen. Auf dem Ziffernblatt kann nun direkt unter dem RA-Wert des Objektes der gewünschten Teilkreiswert abgelesen werden.
Die Grafik links zeigt den Asto-Zeiger mit dem Stundenwinkel-Blatt. Er ist auf Sternzeit = 24h eingestellt. Ein Objekt mit dem RA-Wert 22h hätte also einen Stundenwinkel von 2h, ein Objekt mit einem RA-Wert von 03h hätte einen Stundenwinkel von -3h.
Jetzt braucht das Teleskop nur noch auf diesen Wert, und natürlich auf den DEC-Wert des Objektes eingestellt zu werden. Das Objekt ist bei schwächster Vergrößerung im Teleskop zu sehen.
Der Zeiger funktioniert mit meinem 130/720 mm Newton (f5,5) und der SP-Montierung so genau, daß ich bei nur grober Einnordung mit dem Polsucher alle gesuchten Objekte mindesten innerhalb des 2/3-Gesichtsfeldes meines 25 mm-Plössl habe.